1967
Der gebürtige Ungar György Ligeti (*1923), einer der führenden Komponisten des 20. Jhs.
(„Atmosphères“, 1961), wird österreichischer Staatsbürger.
Komponisten wie Friedrich Cerha (*1926), Roman Haubenstock-Ramati (1919–1994), Kurt Schwertsik
(*1935) oder Otto Matthäus Zykan (*1935) dominieren das avantgardistische Musikschaffen in Österreich.
1968
Die Veranstaltung „Kunst und Revolution“, von Vertretern des Wiener Aktionismus (Günther Brus,
*1938; Otto Muehl, *1925; Hermann Nitsch, *1938; Rudolf Schwarzkogler, 1940–1969) im Hörsaal 1
der Universität Wien „aufgeführt“, markiert einen Höhepunkt des Protestjahres 1968 und ist zugleich
eines der bekanntesten Beispiele österreichischer Aktionskunst. Anhaltende Resonanz erfährt Nitsch
mit seinem kultisch-expressiven Aktionismus („Orgien-Mysterien-Theater“).
1973
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903–1989) erhält den Nobelpreis für Physiologie.
1975
Auf Grundlage des Universitätsorganisationsgesetzes von 1975 werden die bestehenden Hochschulen
als Universitäten weitergeführt.
um 1975
Autoren wie Franz Innerhofer (1944–2002) („Schöne Tage“, 1974), Michael Scharang (*1941) („Der
Sohn des Landarbeiters“, 1976), Gerhard Roth (*1942) („Die Archive des Schweigens“, 1980–91) oder
Elfriede Jelinek (*1946) üben in ihren Arbeiten oft schonungslose Gesellschaftskritik. Ähnliches gilt für
die Bühnenwerke und Drehbücher von Peter Turrini (*1944) („Sauschlachten“, 1972; „Die Alpensaga“,
1974/79) und Felix Mitterer (*1948) („Sibirien“, 1989; „Die Piefke-Saga“, 1991).
1976
In Wien-Mauer wird die nach Plänen des Bildhauers Fritz Wotruba (1907–1975) errichtete Dreifaltigkeitskirche
geweiht. Wotruba gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer des 20. Jhs.
1981
Der in Bulgarien geborene, aus einer sephardischen Familie stammende Elias Canetti (1905–1994), Literaturnobelpreisträger
des Jahres 1981, lebte in der Zwischenkriegszeit in Wien und zählt zu den 1938 aus
Österreich vertriebenen Autoren.
1985
Hans Hölzel alias Falco (1957–1998) stürmt mit „Rock Me Amadeus“ die internationalen Hitparaden.
Weitere Interpreten des seit den 70er Jahren populären Austropops können im ganzen deutschsprachigen
Raum Erfolge verzeichnen: Wolfgang Ambros (*1952) („Da Hofa“, 1971), Rainhard Fendrich
(*1955) („Strada del Sole“, 1980), die Erste Allgemeine Verunsicherung („Alpenrap“, 1983), STS
(„Fürstenfeld“, 1984).
1988
Die Uraufführung des Dramas „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard (1931–1989) am Wiener Burgtheater
sorgt für einen der zahlreichen Skandale, den die Werke dieses Autors nach sich ziehen. Seine
konsequente Österreichkritik und die stets wiederkehrende Beschäftigung mit Krankheit und Tod
stoßen in der Öffentlichkeit meist auf Unverständnis. Aufgrund der literarischen Qualität seiner Arbeiten
gilt Bernhard jedoch als einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der 2. Hälfte des 20. Jhs.
1994
Der steirische Dramatiker Werner Schwab (1958–1994) stirbt in Graz. In seiner kurzen Schaffensperiode
entstehen sprachlich wie inhaltlich radikale Bühnenstücke („Volksvernichtung“, 1991; „Pornogeographie“,
1993), die rasch ihren Weg auf die großen Bühnen des deutschsprachigen Raums finden.
1996
Der Komponist Gottfried von Einem (1918–1996) stirbt in Oberdürnbach (Niederösterreich). Seine
Opern („Der Prozess“, 1953; „Der Besuch der alten Dame“, 1971; „Kabale und Liebe“, 1976) finden
weltweite Beachtung.
2003
Graz präsentiert sich mit einem ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm als Kulturhauptstadt
Europas.
2004
Die bestehenden medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck werden zu eigenständigen
Medizinischen Universitäten erhoben. Die österreichische Autorin Elfriede Jelinek erhält den Nobelpreis für Literatur. Jelinek thematisiert in
ihren Romanen und Dramen v. a. Missstände in der österreichischen Gesellschaft und Politik sowie den
Geschlechterkampf („Burgtheater“, 1982; „Die Klavierspielerin“, 1983; „Lust“, 1989; „Die Kinder der
Toten“, 1997). Ihre sarkastisch-provokante Sprache stößt auf begeisterten Beifall wie auch auf wütende
Ablehnung.
2005
Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenkt die Republik Österreich der bedeutenden Jubiläen dieses Jahres: 60 Jahre 2. Republik, 50 Jahre Staatsvertrag, den 50. Jahrestagen der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper und des Burgtheaters und der 10 jährigen Mitgliedschaft bei der EU.
2006
Der österreichische Kulturbetrieb steht im Jahre 2006 ganz im Zeichen der Feiern zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart. Besonders in Wien wird auch des 150. Geburtstag von Sigmund Freud gedacht. Nach jahrelangem Rechtsstreit gibt die Republik Österreich fünf Gemälde von Gustav Klimt an die Bloch-Bauer Erben um Maria Altmann zurück.
Der Komponist György Ligeti stirbt im Juni nach langer schwerer Krankheit in Wien. Vor fünfzig Jahren hatte der gebürtige Ungar in Österreich seine zweite Heimat gefunden.
Autor: Meinhard Brunner