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Daten und Fakten der österreichischen Geschichte

 

Zeittafeln Burgenland - Politische Geschichte

1955
Der am 15. Mai in Wien unterzeichnete Staatsvertrag zwischen Österreich und den Besatzungsmächten markiert das Ende der sowjetischen Besetzung des Burgenlandes.

Nach 1955
Im gesamten Land wird das Straßennetz ausgebaut, Schulen, Krankenhäuser und Industriebetriebe werden gegründet. Dennoch ist die wirtschaftliche Gesamtsituation unbefriedigend; Zehntausende Burgenländer sind zur Arbeitswanderung nach Wien, Graz und andere städtische Zentren gezwungen.

1956
Der von sowjetrussischen Truppen rücksichtslos niedergeschlagene Volksaufstand in Ungarn führt zur Flucht von rund 170.000 Ungarn in das westliche Ausland. Die burgenländische Bevölkerung beweist in dieser Ausnahmesituation außergewöhnliche Hilfsbereitschaft.

1957
Der Bau des „Antifaschistischen Schutzwalles", der den sowjetischen Machtbereich in Europa hermetisch abriegelt, verwandelt das Burgenland in ein Land an einer toten Grenze. Entlang der mit Stacheldraht und Wachtürmen gesicherten ungarisch-österreichischen Staatsgrenze werden auf ungarischer Seite Minenfelder gelegt.

1960
Die Apostolische Administratur Burgenland wird in den Rang einer Diözese erhoben. Dr. Stefan László wird erster Diözesanbischof der Diözese Eisenstadt. Damit hat auch die katholische Kirche den Übergang des Burgenlandes von Ungarn an Österreich vollzogen.

1964
Eine Gedenkfeier in Mogersdorf aus Anlass des 300. Jahrestages der Türkenschlacht von 1664 wird zu einem eindrucksvollen Bekenntnis für ein vereintes, ungeteiltes Europa.

1964
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werden die politischen Machtverhältnisse in einem österreichischen Bundesland umgedreht. Die Sozialistische Partei unter Hans Bögl erringt die Stimmen- und Mandatsmehrheit bei den Landtagswahlen.

Um 1970
Der „Fortschritt" erreicht das Burgenland. Der Ausbau des Straßennetzes und des Schulwesens sowie die Ansiedlung von Industriebetrieben werden unvermindert fortgesetzt. Durch unüberlegte Neu- und Umbauten von Privathäusern wird in fast allen Dörfern die traditionelle Bausubstanz zerstört.

1971
Die letzten Minen werden von der ungarisch-österreichischen Grenze entfernt. In den Jahren zuvor haben die Minen immer wieder zu schweren Unfällen, auch auf österreichischem Gebiet, gesorgt (manche Minen sind vom Regen nach Österreich geschwemmt worden), sodass die Minenfelder seit 1965 nach und nach entfernt worden sind. Dies kann auch als Symbol gesehen werden: In den 70er und 80er Jahren öffnet sich Ungarn schrittweise dem westlichen Ausland.

1983
Mit dem aus Neufeld an der Leitha stammenden Dr. Fred Sinowatz wird erstmals ein Burgenländer Kanzler der österreichischen Bundesregierung. Die „3 Fragen" des Nationalratsabgeordneten Josef Cap an Landeshauptmann Theodor Kery am Bundesparteitag der SPÖ offenbaren ein etwas eigentümliches Demokratieverständnis im Burgenland.

1985
Der „Weinskandal" hinterlässt schwere Schäden in der Weinwirtschaft, einem traditionellen Wirtschaftszweig im Burgenland. Der Export in das Ausland bricht vollkommen zusammen. Einzelne Weinbaubetriebe in ganz Österreich, nicht nur im Burgenland, haben dem Wein illegalerweise Substanzen beigegeben, die sonst als Frostschutzmittel Verwendung finden. In den Folgejahren wenden sich die Weinbaubetriebe vermehrt der Qualitätsweinproduktion zu und beenden die Produktion billiger Massenweine.

1987
Bei den Landtagswahlen verliert die SPÖ unter der Führung des seit 1966 amtierenden Landeshauptmannes Theodor Kery die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit; dieser zieht sich daraufhin in das Privatleben zurück. Neuer Landeshauptmann wird überraschend der Sozialist Hans Sipötz, trotz einer Absprache der ÖVP mit der erstmals im Landtag vertretenen FPÖ, den ÖVP-Spitzenkandidaten Franz Sauerzopf zum Landeshauptmann zu wählen. Die FPÖ schließt daraufhin ihren Abgeordneten Gregor Munzenrieder aus der Partei aus; er behält aber als „wilder" Abgeordneter sein Mandat bis zum Ende der Legislaturperiode.

1988
Bei einer Sitzung des ungarischen Verteidigungsausschusses in Ödenburg (Sopron) im September wird der Abbau des „technisch überholten und politisch nicht mehr gerechtfertigten" elektronischen Signalzaunes an der Staatsgrenze zu Österreich beschlossen.

1989
Der „Eiserne Vorhang" geht hoch: In einem symbolischen Akt durchschneiden am 27. Juni die Außenminister von Österreich und Ungarn, Alois Mock und Gyula Horn, mit Drahtscheren den Stacheldraht bei Klingenbach, nachdem Ungarn schon am 2. Mai mit der Demontage der Grenzsicherungen begonnen hat. Die geöffnete Grenze wird daraufhin zum Fluchtweg für Tausende DDR-Bürger. Wie schon nach dem Ungarn-Aufstand 1956, beweist die burgenländische Bevölkerung auch diesmal große Hilfsbereitschaft.

1991
Eine neuerliche Politgroteske führt zur Abwahl von Landeshauptmann Sipötz: Im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl 1986 soll der damalige Bundeskanzler Fred Sinowatz im Landesparteivorstand der burgenländischen SPÖ eine Andeutung über die angebliche „braune Vergangenheit" des ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheim gemacht haben, die vom Wiener Journalisten Alfred Worm aufgedeckt und publiziert wird. Im folgenden Ehrenbeleidigungsprozess wird die Aussage von fast allen Befragten bestritten; das Gericht erkennt jedoch eine Sitzungsmitschrift der damaligen Landtagsabgeordneten Ottilie Matysek als echt an, und im „Sinowatz-Folgeprozess" werden fast alle Teilnehmer der damaligen Sitzung, darunter Hans Sipötz, wegen falscher Zeugenaussage verurteilt. Es kommt zu vorgezogenen Landtagswahlen, aus denen die SPÖ als Sieger hervorgeht. Neuer Landeshauptmann wird der als Kom-promisskandidat geltende Karl Stix, der aus dem „Sinowatz-Folgeprozess" unbeschadet hervorgegangen ist; er bestreitet nicht die angebliche Sinowatz-Aussage, sondern gibt lediglich vor, sich nicht daran zu erinnern.

1995
Österreich tritt als Vollmitglied der Europäischen Union bei. Das Burgenland erhält als wirtschaftlich benachteiligte Region besondere Förderungen seitens der EU. Durch den vorgeschriebenen Landesanteil an den EU-Förderungen kommt es aber in den Folgejahren zu einer bedenklichen Neuverschuldung des Burgenlandes.

1999
Der Landeshauptmann Karl Stix schwebt nach einem Verkehrsunfall am 17. Juli in Lebensgefahr.

2000
Die landeseigene „Bank Burgenland" wird in einen Betrugsskandal in Milliardenhöhe verwickelt. Nur dank Landeshaftungen kann die Bank weiter bestehen. Eine etwaige Involvierung oder Mitwisserschaft von Politikern kann nicht nachgewiesen werden.

2000
Am 28. Dezember erfolgt der Rücktritt des Landeshauptmanns Karl Stix, er tritt nicht zu den vorgezogenen Landtagswahlen an. Sein Nachfolger wird Hans Niessl (SPÖ). Niessl gewinnt die Landtagswahlen und wird Landeshauptmann des Burgenlandes. Die Ergebnisse im Detail: SPÖ: 46,55 %, ÖVP: 35,33 %, FPÖ: 12,63 %, Grüne: 5,49 %.

2000
Am 13. Juli beginnt die Errichtung zweisprachiger Ortstafeln im Burgenland.

2003
Am 5. Juli stirbt Altlandeshauptmann Karl Stix im Alter von 63 Jahren an einem Krebsleiden.

2004
Durch die Ost-Erweiterung der Europäischen Union nimmt das Burgenland wieder seine über Jahrhunderte innegehabte Brückenfunktion im Herzen Europas ein.

2005
Bei der Landtagswahl im Burgenland gewinnt die SPÖ unter Landeshauptmann Hans Niessl mit 52,23 % die absolute Mehrheit. Die ÖVP kommt auf 36,34 %, die FPÖ auf 5,76 %, die Grünen erhalten 5,21 %.

5. März 2006
Die Grazer Wechselseitige Versicherung erhält den Zuschlag für den Kauf der Bank Burgenland.


Zeitraum