um 200 v. Chr.
Schon um 200 v. Chr. dürfte das norische Königreich
entstanden sein, das weite Teile des Ostalpenraums umfasste und
von den Römern später „Regnum Noricum genannt wurde;
seine Träger waren verschiedene keltische Stämme, so die Noriker,
die Taurisker, die Ambidraven, die Saevaten, die Laianken und die Ambisonten.
Hauptort war das legendäre Noreia, das bis heute nicht genau lokalisiert
werden konnte. Um 200 entstanden auch die ältesten bisher gefundenen
Schriftdenkmäler Kärntens, nämlich Felsinschriften aus
Würmlach und vom Findenig-Thörl östlich des Plöckenpasses
sowie bronzene Beschläge mit Weiheinschriften von der Gurina. Sie
belegen die Verbindung der damaligen Kärntner Bevölkerung
mit den oberitalienischen Venetern.
um 120 v. Chr.
Das norische Königreich stand schon allein wegen der engen Handelsbeziehungen
in einem besonderen Naheverhältnis zu Rom, um 120 v. Chr. wurde
ein Bündnisvertrag geschlossen; als die germanischen Kimbern und Teutonen ins Land einfielen, wurden folgerichtig die verbündeten
Römer zu Hilfe gerufen, deren Konsul Papirius Carbo mit seiner
Armee allerdings in einer Schlacht unweit von Noreia im Jahre 113 v.
Chr. geschlagen wurden.
1. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.
In der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts entstand
auf dem Magdalensberg eine Stadt, die bald zu einem Handelszentrum wurde
und auch von zahlreichen Römern besiedelt war; ob hier davor schon
eine keltische Siedlung vorhanden war, ist umstritten. Wichtige Handelsgüter
waren Werkzeuge, Kettenringe und Vierkantnägel, die im Schiffsbau
Verwendung fanden, aus norischem Eisen sowie verschiedenes Geschirr
aus Messing oder Kupfer. Enorme Mengen dieser und anderer Produkte wurden
verkauft, sodass die Bewohner im Wohlstand leben konnten, was u.
a. seinen Ausdruck in den bemerkenswerten Fresken der Siedlung auf dem
Magdalensberg fand. Älteste Zeugnisse römischer Bildhauerkunst
in
Kärnten wurden ebenfalls hier gefunden. Die lebensgroße Bronzestatue,
die unter dem Namen Jüngling vom Magdalensberg berühmt
wurde, galt seit ihrem Fund Anfang des 16. Jahrhunderts als römische Originalstatue
nach griechischem Vorbild. Ende des 20. Jahrhunderts stellte sich dann heraus, dass
es sich lediglich um einen Abguss aus der Renaissancezeit
handelte; das im 16. Jahrhundert nach Spanien gebrachte Original gilt
als verschollen.
um 15 v. Chr.
Nach der römischen Okkupation des norischen Königreiches um
15 v. Chr., die im wesentlichen friedlich vor sich ging (wiederum eine
Folge der schon lange bestehenden engen Bindung an Rom und der damit einhergehenden zunehmenden kulturellen Romanisierung der ansässigen
Bevölkerung), wurde die Stadt auf dem Magdalensberg zum Verwaltungszentrum.
um 45 n. Chr.
Unter der Regierungszeit des Kaisers Claudius (4154 n. Chr.) wurde
Noricum endgültig zur römischen Provinz. Auf dem Zollfeld
entstand die neue Provinzhauptstadt Virunum als Sitz des prokuratorischen Statthalters, die planmäßig nach bewährtem römischem
Muster angelegt wurde, mit Forum, Kapitol, Bädern und einem Amphitheater
(aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert). In Oberkärnten, in St. Peter
am Holz, wurde eine weitere Stadt errichtet, die den Namen Teurnia erhielt.
Wie in allen Provinzen legten die Römer auch in Noricum ein Hauptaugenmerk
auf den Ausbau der Straßenverbindungen, allen voran der Handelsroute
von Aquileia zur Donau, die über die Stationen Meclaria (Thörl-Maglern),
Santicum (Villach), Tasinemetum (Lind-Rosegg), Saloca (bei Krumpendorf),
die Hauptstadt Virunum, Matucaium (bei Althofen) und Candalicae (nördlich
von Friesach) Kärntner Territorium querte. Zahlreiche Nebenstraßen
sorgten dafür, dass die römische Kultur auch abseits
der Zentren überall noch weitere Verbreitung fand, sodass
eine blühende römische Provinzialkultur entstehen konnte,
die erst in den Wirren der Völkerwanderungszeit ihren Niedergang
fand.
2. und 3. Jahrhundert
Es waren dies die Jahrhunderte der Hochblüte der römischen
Hochkultur in diesem Bereich, wobei Virunum auch zum kulturellen Zentrum
wurde.
Erwähnenswert sind hierbei Fundstücke der Bildhauerkunst,
insbesondere 12 Statuen von Gottheiten, die um 140 n. Chr. vermutlich
alle vom selben Künstler in Virunum hergestellt wurden, so die
bekannte Statue der Isis-Noreia. Im 2. Jahrhundert wurde in Virunum
auch ein Amphitheater für etwa 2.000 Besucher errichtet. Neben
den städtischen Zentren und ihrer jeweiligen Umgebung befanden
sich noch zahlreiche römische
Siedlungen in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten sowie in den
Bergbaugebieten. An günstigen Standorten wurden auch Gutshöfe
und Villen mit den üblichen Annehmlichkeiten wie Fußbodenheizungen
und Mosaiken gebaut.