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Daten und Fakten der österreichischen Geschichte

 

Geschichte der Kronländer
Kroatien und Slawonien

Fläche:
1910: 42.541 km2

Einwohner:
1850: 868.459 (nur Zivilkroatien)
1910: 2.621.954 (darunter 62,5 % Kroaten, 24,6 % Serben, 5,1 % Deutsche, 4,1 % Magyaren)

Zu den von der Kroatischen Nationalpartei 1848 formulierten Postulaten zählten die staatsrechtliche Vereinigung der von Kroaten bewohnten Länder Kroatien-Slawonien, Dalmatien, der Militärgrenze, Fiume (Rijeka) und zum Teil Istrien, die Einsetzung einer dem Landtag verantwortlichen, sowohl von Pest als auch Wien unabhängigen Regierung und die Reorganisation des Kaisertums Österreich in eine Föderation. Diesen Bestrebungen war damals kein Erfolg beschieden.

Durch die Märzverfassung von 1849 in seiner von Ungarn unabhängigen Existenz zunächst bestätigt, mußte sich Kroatien 1868 mit einer „sub-dualistischen“ Lösung begnügen und wurde bis 1918 in letzter Instanz von Budapest aus regiert. Die Militärgrenze unterstand bis zu ihrer Auflösung und Vereinigung mit Zivilkroatien im Jahr 1881 direkt der Verwaltung des Kriegsministeriums. Dalmatien und Istrien gehörten zum cisleithanischen Teil der Habsburgermonachie.

Im ungarisch-kroatischen Ausgleich von 1868 erhielt das Königreich Kroatien eine auf einzelne Bereiche beschränkte Autonomie; sie erstreckte sich in legislativer wie administrativer Hinsicht auf innere Verwaltung, Kultus und Unterricht sowie Justiz. Die Umsetzung der Autonomie oblag dem kroatischen Landtag und der Landesregierung unter Führung des Banus. Hinsichtlich der mit Ungarn gemeinsamen Angelegenheiten – dazu zählten beispielsweise die Eisenbahnen, das Wirtschafts- und Gewerberecht und die Finanzen – konnten die Kroaten versuchen, ihre Interessen durch einen Minister ohne Portefeuille in der ungarischen Regierung und durch Delegierte im Budapester Parlament zur Geltung bringen.

Innerhalb der politischen Szene dominierte bis 1918 die Frage der Vereinigung aller kroatischen Länder und das Verhältnis zum habsburgischen Gesamtstaat. Die politischen Parteien, die während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Gestalt annahmen, widmeten sich überwiegend dieser Frage. Die kroatische Nationalpartei befürwortete eine Vereinigung innerhalb der Doppelmonarchie und hatte in der pro-ungarischen Unionistenpartei einen entschiedenen Gegner. Während die Nationalpartei eine Zusammenarbeit der Südslawen auf kultureller Ebene befürwortete, lehnte die Kroatische Rechtspartei dies ab; allerdings gewann sie erst gegen Ende des Jahrhunderts an politischem Einfluß.

Diese Partei strebte die Gründung eines selbständigen kroatischen Staates an, ohne jedwede Bindung an Wien oder Budapest. Der politische Wille der serbischen Minderheit fand seinen Ausdruck in serbischen Parteien, die ungarischerseits des öfteren als Gegengewicht gegen die Kroaten unterstützt wurden. Erst 1905 kam eine kroatisch-serbische Koalition zwischen den wichtigsten politischen Parteien beider Bevölkerungsgruppen zustande. Neben die etablierten Parteien trat nach der Jahrhundertwende die von den Brüdern Radić geführte Bauernpartei, deren Hauptziel es war, auch die Landbevölkerung national zu mobilisieren und deren wirtschaftliche Interessen gegenüber der städtisch dominierten politischen Elite zu vertreten.

Die partielle politische Modernisierung korrespondierte mit einer ebensolchen in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Obwohl die meisten Kroaten von der Landwirtschaft lebten, dachten ihre politischen Vertreter lange nicht daran, die Agrarfrage im Sinne der Betroffenen zu lösen. Die im Neoabsolutismus von Wien aus inaugurierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen berücksichtigten zuwenig die lokalen Faktoren; die unter Banus Mažuranić in den siebziger Jahren initiierten Reformen stießen an die vom ungarisch-kroatischen Ausgleich vorgegebenen Grenzen. Es zeigte sich bald, daß Kapitalinvestitionen, die die Wirtschaft fördern sollten, im allgemeinen einen nationalpolitischen Hintergrund hatten. So können die Eisenbahnpolitik und die Forstwirtschaft nur im Zusammenhang mit den nationalen Interessen Ungarns erklärt werden. Die langsam zunehmende Kapitalakkumulation, die von den Aktivitäten tschechischer Banken profitierte, zeigt eine gewisse Stärkung des bürgerlichen Elements.

Auch wenn das Weltbild der Kroaten insgesamt von tiefer Religiosität geprägt war, gab es in kultureller Hinsicht große regionale Unterschiede. Waren Istrien und Küsten-Dalmatien vornehmlich vom venetianisch-italienischen Einfluß geprägt, gab es in der Militärgrenze und im Norden Zivilkroatiens einen starken deutsch-österreichischen Einfluß, während im Osten der ungarische vorherrschte. Diese kulturellen Einflüsse fanden nicht nur in verschiedenen Baustilen und Kunstformen ihren Ausdruck, sondern wußten auch in der kroatischen Sprache und Literatur Wurzeln zu schlagen.

Alexander Buczynski

Kronländer