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Daten und Fakten der österreichischen Geschichte

 

Zeittafeln Niederösterreich - Kulturgeschichte

um 70.000
In der mittleren Altsteinzeit erzeugen Neandertaler bereits mittels Knochenflöten Musik.

um 30.000
Die gertenschlanke „Venus vom Galgenberg" bei Stratzing, einer der zahlreichen Jagdstationen des Aurignacien (40-35.000 bis 28-25.000), war ein Kultobjekt und ist die nach derzeitigem Stand weltweit älteste Frauenfigur. Bei der „Venus von Willendorf" (Gravettien, um 25.000 v. Chr.), einem in Niederösterreich und Mähren und besonders im russischen Raum häufigen, fettleibigen Typ, steht vermutlich wie bei der viel späteren „Magna Mater" die Fruchtbarkeit im Vordergrund.

ab etwa 6000
Die ab der Mittelsteinzeit (8000-6000/5000) durch den stetigen Temperaturanstieg begünstigte Sesshaftigkeit größerer Gruppen, die in Dörfern zusammenleben und nunmehr ihre Lebensmittel bewusst selbst erzeugen, erleichtert das Kennenlernen der Eigenschaften von Tonerde und das Aufkommen der Keramik. (Diese wird in erster Linie für die Aufbewahrung der nunmehr geernteten Feldfrüchte benötigt.) Das Ende der Linearbandkeramik oder donauländischen Kultur (6000/5000-4800/4700) markiert die Notenkopfkeramik, in einzelnen Regionen flankiert von der Stichbandkeramik. Auch die Herstellung von Geweben führt allmählich zu künstlerischer Gestaltung des zunächst nur Notwendigen durch Färben. Neben gröberen Steinbeilen gibt es für feinere Arbeiten auch Geräte aus Knochen und Horn, die zunehmend verziert werden.

ab etwa 4800/4700
Die Bemaltkeramik der mittleren Jungsteinzeit (= Lengyelkultur) bietet mehrfarbige, pastose Muster, aber auch zoo- und anthropomorphe Idolplastiken. Die Kreisgrabenanlagen von Falkenstein haben neben militärischen auch repräsentative Funktionen, andere (Friebritz bei Laa) aber wohl kultische Aufgaben. Befestigungsbaukunst und Tauschhandel mit gediegenem, anfangs nur als Schmuck genutztem Kupfer zeigen, dass diese Kultur aus Südosteuropa eindringt.

In der späten Jungsteinzeit (um 4000-2300/2200) wird zunächst nur importiertes Kupfer bereits verarbeitet. Erst mit dem Fortschreiten der „Kupferzeit" kommt es zu gezielten Abbauversuchen in unserer Gegend, nachdem man bei der Suche nach Feuerstein (Antonshöhe bei Mauer) die ersten Erfolge bei eigenem Abbau erzielt hatte. Die Suche nach Erzen führt auch zu einer Ausdehnung der Siedlungsgebiete in der Richtung zu den Bergen. Nach dem Ende der Trichterbecherkultur (Mitte 4. Jahrtausend) bzw. nach dem Abklingen regionaler Erscheinungen wie der Badener Kultur (2. Hälfte 4. Jahrtausend, benannt nach den Funden in der Königshöhle bei Baden, bald aber auch im unteren Traisental nachzuweisen) leiten am Ende der Jungsteinzeit um 1800 die beiden Becherkulturen der Schnurkeramikbecher (aus dem Norden kommend) und der Glockenbecher (aus Spanien mit drei lokalen Formen) zur Bronzezeit über.

2300/2200 bis um 800/750
In dem in der Hockergräberkultur (2300/2200-1600) der frühen Bronzezeit wegen der Nähe zu den Kupferabbaugebieten in den Voralpen besonders dicht besiedelten unteren Traisental (Unterwölblinger Kulturgruppe) finden sich alleine im Gebiet von Franzhausen rund 2.000 Hockergräber mit teils bedeutenden Grabbeigaben: Hervorzuheben sind die „Dame mit der Kopfzierde" und das Bronzeprunkbeil aus Gemeinlebarn. Megaronartige Vorhallenhäuser und Beinobjekte mit „mykenischer Zier" sind Ausnahmen. Es heben sich regional im Weinviertel und am Ostrand des Waldviertels die Charakteristika der Aunjetitzkultur (Unterhautzenthal) ab, unter dem Wienerwald und im Nordburgenland die der nach der deutschen Entsprechung für Mosonmagyarovar benannten Wieselburger Kultur (Funde von Hainburg-Teichtal). Die nun schon intensivere Metallbearbeitung führt durch Arbeitsteilung zu sozioökonomischen Veränderungen.
In der auf die Hockergräberkultur bruchlos folgenden Hügelgräberkultur (1600-1300/1250), in der die soziale Differenzierung noch deutlicher spürbar wird, dringt neben der auch schon früher vorkommenden Körperbestattung immer mehr die Sitte der Brandbestattung vor. Die Keramik weist nun zahlreiche von konzentrischen Kreisen umgebene Buckel auf. Aus den Funden der drei übereinanderliegenden Friedhöfe der Mittel- bis Spätbronzezeit in Pitten ragen reich verzierte Diademe mit Nackenstütze, Schmuckscheiben in Malteserkreuzform und riesige Gewandnadeln hervor.

Die ab dem 13. Jahrhundert fast ausnahmslos vorherrschende Brandbestattung der Urnenfelderkultur (1300/1250-800/750) der späten Bronzezeit setzt veränderte geistig-religiöse Vorstellungen voraus. Meist wird der „Leichenbrand" in Tonurnen beigesetzt, doch gibt es auch einfachere Formen (Brandgruben- und Brandschüttungsgräber). Charakteristisch sind die neuen, spezifischen Metall- und Keramikformen mit Punktbuckelverzierung. Wegen oft andrängender Feinde überwiegt der Befestigungszweck der Wallburgen (Gars-Thunau, Oberleiserberg, Stillfried) nun den Repräsentationszweck.

800 bis um 450
In der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit), in der vom östlichen Mittelmeerraum ausgehend Kenntnisse der Eisentechnologie einsickern, nehmen die Körperbestattungen wieder zu. Befestigte Höhensiedlungen (Praunsberg bei Stockerau, Steinberg bei Ernstbrunn, Saurüssel bei Erdberg/Poysdorf) waren eventuell Sitze von Stammesfürsten oder Adeligen („Salzherren"), die ähnlich skythischen Beispielen in hohen Grabhügeln wie dem von Großmugl (16 Meter hoch) begraben wurden. Charakteristisch sind die Töpfe vom Kalenderberg bei Mödling mit ihren plastischen Verzierungen. Die Keramiken sind oft prächtig rot-schwarz verziert. Mehrschiffige Wohnhäuser und Wirtschaftsbauten mit kellerartigen Eintiefungen sind charakteristisch.

um 450 bis um 15 v. Chr.
Die aus dem westlichen Hallstattkulturkreis (Raum von Ostfrankreich, Südwestdeutschland und Nordschweiz) hervorgegangene keltische Latènekultur zeigt „Modeerscheinungen", die offenbar friedlich im Soge des Salzhandels übernommen wurden. Das „Feudalsystem" der Hallstattzeit mit seiner dünnen Fürstenschicht weicht aber in der nun unruhigeren Zeit einer breiter gewordenen Adelsschicht. Die um 200 überlieferten keltischen Wanderungen sind auch in der archäologischen Hinterlassenschaft erkennbar. Aber in der nun mit der schnelldrehenden Töpferscheibe hergestellten Keramik und selbst in der Situla von Kuffern bei Herzogenburg bleibt das „konservative" heimische Substrat unter der keltischen Form spürbar.

um 450 bis um 15 v. Chr.
Aus dem weiterhin dicht besiedelten unteren Traisental ragen die im „Adelsfriedhof" von Pottenbrunn gefundenen verzierten Schwerter und eine geflochtene Silberkette mit Bommel hervor. Neben dem die Kultur des späteren „norischen Königreiches" tragenden „Ferrum Noricum" (Höhensiedlung bei Schwarzenbach) und eigenen Münzen (Sandberg bei Roseldorf, Thebenerkogel bei Hainburg und Umlaufberg im Kamptal) sind weiters die Bronzefibeln und der eiserne Nagel einer Wagenachse samt Maskendarstellung aus Unterradlberg sowie eine Bronzesitula aus Mannersdorf a. L. zu erwähnen. Die bei Guntramsdorf nachgewiesenen Bohrtrepanationen weisen wie ein Pottenbrunner Grab auf hochstehende ärztliche Kunst.

nach 15 v. Chr.
Mit der Annektierung von Norikum durch die Römer setzt durch Soldaten aus aller Herren Länder die Romanisierung und Verbreitung städtischer Zivilisation (Sprache, Lebensweise und -gefühl, Hygiene, Ärzte, Wasserver- und -entsorgung, Straßen …) rund um die Garnisonen an der Donau ein. An einigen Stellen ist der Übergang vom „Holz-Erde-Kastell" zur weitgehend aus Stein bzw. Ziegeln erbauten (Lager)Stadt deutlich nachvollziehbar. In den Gehöften des nur allmählich durch Straßen erschlossenen Hinterlandes ist, wie den Gesichtstypen und der Kleidung auf den Grabsteinen zu entnehmen ist, das jetzt keltische Substrat noch lange spürbar und zeigt sich in der Spätzeit sogar wieder stärker. Carnuntum wird im Zusammenhang mit der Rekrutierung der Legionen auch im Osten des Weltreiches zu einem Zentrum orientalischer Kulte (Mithras, Jupiter Dolichenus …). Die hier gefundenen Mithräen gehören zu den weltweit größten. Auch Elemente „östlicher" Zivilisation machen sich in den Wohnvierteln breit, die von römischen Bauformen wie Tempeln, Wohnhäusern, Säulengängen, Thermen oder dem jüngst entdeckten „Forum" von Carnuntum geprägt werden. Erst der am 11. Juni 172 errungene Sieg („Regenwunder") des „Philosophenkaisers" Mark Aurel („Selbstbetrachtungen") ermöglicht Carnuntum, das bisherige Zentrum des Staatskultes Savaria/Steinamanger zu übertrumpfen und auch religiöser Mittelpunkt der Provinz Pannonien zu werden. Die Zentren der Kunst bleiben noch lange Zeit im Hinterland (Die „Tanzende Mänade" wurde wahrscheinlich in Virunum bei Klagenfurt modelliert). Die Donau bildet mit der ab etwa 80 n. Chr. ausgebauten Limesstraße nun zwar für Jahrhunderte eine Trennlinie zwischen dem Süden und dem Norden des Landes, in dem sich zunehmend Germanen festsetzen, wird aber in Friedenszeiten oft von Händlern überquert. Dies führt - besonders an der „Bernsteinstraße" - nicht nur zu einem intensiven Waren-, sondern auch zu einem Kulturaustausch, der freilich in engen Grenzen verharrt.

139-161
Unter Antoninus Pius erste Blütezeit. Das Amphitheater II und die ersten Thermen Carnuntums werden erbaut.

ab 193 n. Chr.
Unter der Dynastie der Severer neue Blüte im Donauland, aber auch nochmals verstärktes Einströmen orientalischer Ein-
flüsse. Carnuntum wird 194 zum Dank für die Erhebung des Septimius Severus in diesem „municipium" zur „colonia" erhoben. Da Soldaten ab 202 in den Lagerstädten wohnen dürfen, bereitet sich ihr Übergang zu einer „bäuerlichen Miliz" vor. 212 werden alle freien Reichsuntertanen römische Bürger und dadurch den „Stadtrömern" gleichgestellt.

Zeitraum