um 30.000 v. Chr.
Typisch für die Feuersteinklingen der zahlreichen Jagdstationen
des Aurignacien wie Stratzing-Galgenberg und Langmannersdorf ist die
regelmäßige stufenförmige Zurichtung entlang ihres gesamten
Umfanges. Jungpaläolithische Jäger folgen in den von der Vereisung
nicht erfassten Lößgebieten den Mammuts, Rentieren und
Pferden und nähren sich von deren Fleisch.
um 6.000
In der Mittelsteinzeit (8.000 - 6.000/5.000) lebt der Mensch dank des
Temperaturanstieges in fast geschlossenem Laub- und Mischwald sowie
Waldsteppen und geht von der aneignenden Lebensweise (Jäger und
Sammler von Früchten) allmählich zur produzierenden Wirtschaftsweise
der Bauern über. Die Gemeinschaften werden größer und
errichten gemeinsam die gewaltigen, bis zu 45 Meter langen Häuser,
die zum Wohnen und zugleich als Speicherräume sowie Ställe
dienen. Die nahen Felder (Einkorn, Emmer) sind mit Hecken umgeben, die
Gärten eingezäunt. Im Wald weiden die eben domestizierten
Haustiere (Rind, Schwein, Schaf, Ziege). Für diese neuen Lebensumstände
sind spezielle Rodungs- und Ackerbaugeräte wie Beile und Hacken,
Pflüge und Sicheln nötig. Für feinere Arbeiten werden
Geräte aus Knochen und Horn verwendet. Für die Aufbewahrung
des geernteten Getreides sind Gefäße aus Ton nötig.
Es gibt aber auch Krieg und Sklaverei.
4500 - 3500
Spätestens in der mittleren Jungsteinzeit kommt der Tauschhandel
auf, durch den zunächst nur für Schmuck verwendetes gediegenes
Kupfer aus Südosteuropa und dem östlichen Mittelmeerraum ins
Land kommt. Die Bevölkerung lebt in dörflichen Anlagen mit
einer Anzahl kleinerer Häuser und errichtet die gerade für
Niederösterreich typischen Kreisgrabenanlagen.
3500 - 2300/2200
In der späten Jungsteinzeit kommt es neben der Verarbeitung des
importierten Kupfers zu eigenem Abbau, jedoch zunächst nur von
Feuerstein (Antonshöhe bei Mauer). Die Siedlung breitet sich auch
südlich der Donau aus. Kleinere Häuser deuten auf Leben in
kleineren „Familien", Höhensiedlungen auf die Ausbildung
einer Adelsschicht. Durch den Handel vermittelte Kultureinflüsse
aus fernen Regionen machen sich bemerkbar (z.B. Glockenbecher aus Spanien).
2300/2200 - um 800/750
Das untere Traisental ist, wohl als „Handelszentrum", besonders
dicht besiedelt. Händler bringen Zinn u.a. aus Cornwall. Die arbeitsteilige
Spezialisierung von Bergleuten und Hüttenleuten sowie deren Versorgung
mit Lebensmitteln aus der Ebene wird besonders in den erst in der späten
Bronzezeit (1300/1250-800/750) fassbaren Abbauen der Prein deutlich.
Die soziale Differenzierung wird deutlich erkennbar, große, „präurbane"
Wallburgen mit in ihrem Inneren liegenden Werkstätten, Magazinen
und Ställen wie die bei Stillfried und Gars-Thunau zeigen aber
auch, dass die Zeiten immer kriegerischer werden.
800 - 400
Die auf der östlichen Eisentechnologie aufbauende pyramidenförmige
Sozialstruktur der älteren Eisenzeit wird durch die bis zu 16 Meter
hohen Grabhügel (Großmugl) sinnfällig. Befestigte Höhensiedlungen
wie auf dem Kalenderberg bei Mödling, besondere Handwerkerviertel,
in denen nach mittelmeerischen Vorbildern für eine verfeinerte
höfische Kultur produziert wird, beherrschen als Machtzentren der
„Salzherren" die bäuerlich-dörflichen Siedlungen
in der Umgebung.
400 - 15 v. Chr.
Mit dem Beginn der Latènekultur verschwindet das „Feudalsystem",
und Unruhen und Wanderungen kennzeichnen die Zeit, in der nicht mehr
eine schmale Fürstenspitze, sondern eine breite Adelsschicht („Adelsfriedhof"
von Pottenbrunn) die Bevölkerung führt, die durch die im Soge
des Salzhandels offenbar friedlich einströmenden keltischen Kulturerscheinungen
(Situlen, Bohrtrepanationen als Zeichen ärztlicher Kunst im Raum
Guntramsdorf, schnelldrehende Töpferscheibe, in der Spätzeit
eigenes Münzgeld) charakterisiert wird. Die große Höhensiedlung
von Schwarzenbach steht im Zusammenhang mit dem im Raum Ödenburg
gewonnenen „norischen Eisen", der wirtschaftlichen Basis des
„norischen Königreiches".
15. v. Chr.
Die Römer annektieren Norikum offenbar mit dessen Zustimmung, die
wohl aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Nördlich der Donau
wandern allmählich germanische Stämme (Markomannen, Quaden...)
ein, die als Bauern leben.
1. Jahrhundert n. Chr.
In der Zeit von Tiberius bis Claudius beginnt der Bau von Donaustützpunkten
wie Carnuntum. Es wird unter Trajan (98-117) Sitz des Statthalters und
entwickelt sich rasch (bereits unter Hadrian Stadtrecht, unter Septimius
Severus 194 „colonia"). Nur allmählich kommt im Raum
der Militärstadt z.B. eine eigene Keramikerzeugung in Schwung.
2. Jahrhundert n. Chr.
Erst nach den Markomannenkriegen (167-180) werden im Hinterland, das
im Wesentlichen der Versorgung der Truppen dient und wo sich die Romanisierung
nur langsam durchsetzt, weitere „Eingreiftruppen" stationiert.
Infolge der Anwesenheit der Legionen blüht das Donauland wirtschaftlich
auf, auch als Folge des regen Handels entlang der Bernsteinstraße
nach Aquileja, wo das „Gold des Nordens" weiterverarbeitet
wird. Sie hat wegen des im Raum Ödenburg gewonnenen Eisens doppelte
Bedeutung. Soldaten aus aller Herren Länder prägen das Bild
der Garnisonsorte. Unter dem in Carnuntum erhobenen Septimius Severus
(193-211) bzw. der von ihm begründeten Dynastie kommt es zu neuer
Blüte im Donauland.
3. Jahrhundert bis 488
Probus fördert den schon vorher geübten Weinbau. Um 370 kommt
es zur letzten bedeutenden Bauphase in den röm. Stütz-punkten.
Die Ansiedlung von Föderaten im Reichsgebiet ab etwa 380 verändert
die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur: Die „eingeglättete
Keramik" kündet vom Geschmack der neuen Siedler. Im 5. Jh.
ziehen die Legionen ab bzw. hört der Nachschub auf. Nach dem Tod
des hl. Severin (482) verlassen die meisten Romanen 488 das Limesgebiet.
In den Kämpfen der verschiedenen als Reiternomaden lebenden „Völker"
gehen römische Lebens- und Wirtschaftsweise zugrunde.
Nach 568 bis um 800
Spätestens nach dem Abzug der Langobarden - aufgrund archäologischer
Beweise zu Beginn des 6. Jh.s - kommen im Gefolge der Awaren die Slawen
von Süden bzw. Südosten in den Alpenraum, später auch
von Norden in das (spätere) Waldviertel. Sie halten sich bis ins
10. Jh. (in manchen Alpentälern sogar noch länger; viele Orts-
und Geländenamen erinnern an sie!), werden aber allmählich
von den sich ostwärts ausdehnenden Bayern zurückgedrängt
bzw. aufgesaugt.
9. Jahrhundert
Die Raffelstettener Zollordnung (bei Enns, um 905) belegt noch aufrechte
Handelsbeziehungen mit dem Mährerreich Zwentibolds (gest. 894)
und nennt Handelsgüter (Sklaven, Salz, Wein, Pferde ...) und Märkte
bis in das Gebiet von Mautern.
10. und 11. Jahrhundert
Nach der Niederlage von 907 gegen die Ungarn wird die Enns Grenze. Gleichzeitig
mit der Rückeroberung beginnen baye-rischer, fränkischer und
sächsischer Adel, Bistümer und Klöster den inneren Ausbau,
wobei jeder seine Machtbereiche zu autarken Wirtschaftseinheiten ausbildet.
Die Gründung neuer Klöster dient auch der Rodung bestehender
Urwälder.
12. Jahrhundert
Das ehemalige Grenzland blüht dank der Kontinuität der Babenberger
und nicht zuletzt infolge der Heirat Leopolds III. mit einer Schwester
Heinrichs V. bzw. ihrer Mitgift und des Lösegeldes für Richard
Löwenherz auf: U.a. ermöglicht der ca. 11.500 kg Silber ausmachende
Anteil Leopolds V. eine eigene Münzprägung in Wien nach früheren
Prägungen in Neunkirchen und Krems, das noch um 1150 wirtschaftlich
wichtiger als Wien war. Infolge der Erwerbung der Steiermark und des
Pittner Gebietes wird der Weg über den Semmering politisch wichtig
(Gründung von Wiener Neustadt) und erhält wegen der wachsenden
wirtschaftlichen Beziehungen zur Dogenstadt allmählich die Bezeichnung
„Venedigerstraße". Um 1200 belegt der „Zolltarif
von Stein" rege Handelsbeziehungen zu Passau, Regensburg, Köln,
Aachen, Schwaben und Italien.
erste Hälfte des 13. Jahrhunderts
Zielstrebig erweitert Leopold VI. seine Macht in Richtung Venedig, zugleich
begünstigt er die Entwicklung eigener Städte durch die Verleihung
von Stadtrechten. Wien zählt zwar schon zu den reichsten Städten
des Reiches, doch dank des Stapelrechtes und nicht aufgrund eigener
wirtschaftlicher Kraft, der Weinbau und -handel ist wichtigster Wirtschaftszweig.
Hadmar von Kuenring gründet um 1205 Weitra als Stadt. Der Siedlungskern
von St. Pölten wird durch ein Viertel um einen rechteckig geplanten
Marktplatz erweitert und mit einer Stadtmauer umgeben. Mit dem Tod Friedrichs
II. 1246 geht die Epoche des steilen Aufstieges des Landes vom Grenzland
zu einem der reichsten Länder des Reiches abrupt zu Ende.
1251-1278
Auch König Ottokar fördert die Städte, doch droht Österreich
in seinem riesigen Reich zu einem Nebenland Böhmens zu werden.
Der Mauerring von Marchegg (1268) erweist sich als zu groß angelegt,
er kann nicht sinnvoll verbaut werden.
1278 bis Mitte des 14. Jahrhunderts
Rudolf I. erlässt 1276 einen fünfjährigen Landfrieden
für Österreich, Steiermark und Kärnten, um die unsicheren
Zustände zu beenden, dann ordnet er im Interesse seiner Dynastie
die Finanzverwaltung. Die Macht der österreichischen „Landherren"
und auch der Städte war im 13. Jh. angewachsen: 1285 wird in Wiener
Neustadt ein Bürgermeister erstmals genannt, der - oft im Gegensatz
zu dem vom Stadtherrn eingesetzten Richter - die Bürger vertritt.
Erste Verfolgungen der Juden, die wegen ihrer Funktion als Geldgeber
von Landesfürst und Adel unverzichtbar sind, werden vom Herzog
unterdrückt. Der steinerne Metzen von Rastenfeld (um 1300) gilt
als ältestes erhaltenes Hohlmaß in Österreich; das Streben
nach Normierung setzt ein. Das Zwettler Stifterbuch, die sogenannte
„Bärenhaut", entsteht um 1325 vor allem, um einen Überblick
über die Besitzungen des Klosters zu schaffen. Mehrere Katastrophen
führen um 1348 zu enormen Bevölkerungsverlusten, die wiederum
die Verödung weiter Landstriche zur Folge haben. Nach den Rodungen
des Hochmittelalters kommt es erstmals zu „Wüstungen":
Im Wiener Becken sind bis zu 30 Prozent der alten Siedlungen betroffen!
1358 - 1365
Rudolf IV. fordert von Adel und Klerus Steuern, verzichtet gegen die
Einführung einer Getränkesteuer (Ungeld) auf die Einkünfte
aus dem „Münzverruf" und setzt Maßnahmen gegen
die Nachteile des Zunftzwanges. Dennoch entwickeln sich die Zünfte
rasch: 1403 wird die Hauerzunft von Langenlois erwähnt, 1477 die
Hauerinnung von Krems. 1396 bestimmen die Landesfürsten Stein zum
Niederlagsort für Salz aus Hallein, eine auch für die Stadt
sehr einträgliche Entscheidung.