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Daten und Fakten der österreichischen Geschichte

 

Zeittafeln Niederösterreich - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

1902
Der Christlichsoziale Parteitag in St. Pölten zeigt Richtungskämpfe zwischen Kleingewerbeschichten und den Mittelschichten auf.

um 1905
Die Wachau wird durch Straßen- und Bahnbau sowie Werbemaßnahmen vor allem für den Fremdenverkehr erschlossen.

1907
Erstmals Reichsratswahlen nach dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in NÖ (Frauen noch ausgenommen). Wiener Neustadt (seit 1899 Automobilindustrie: Daimler-Werke) wird Zentrum der Flugzeugindustrie: Auf dem Flugfeld wird für den Flugpionier Igo Etrich („Etrich-Taube") ein eigener Hangar erbaut. Bürgermeister Voelkl macht St. Pölten zwischen 1903 und 1908 zur Industriestadt (Ansiedlung der Voith- und Glanzstoffwerke).

1914-1920
Der Erste Weltkrieg (Menschenverluste, Kriegsanleihen, Mängel in der Bewirtschaftung, Zerfall der Monarchie) führt langfristig zur Verarmung breiter Schichten. 1915 Flüchtlingslager in Gmünd, Bruck, Oberhollabrunn. Kriegsgefangenenlager in Wieselburg, Spratzern, Gneixendorf und Sigmundsherberg. Jänner 1918 schwere Hungerkrawalle in Niederösterreich (Wiener Neustadt, St. Pölten, Stockerau, Kienberg und Scheibbs). Verschärfung der Beheizungs- und Beleuchtungsprobleme führt zur Schließung von Theatern und Kinos. Gast- und Kaffeehäuser müssen um 21 Uhr schließen. Beschränkung des privaten Verbrauches. Der Zusammenbruch der Donaumonarchie (12. November) führt zu massiven sozialen Spannungen. Durch die in St. Germain (September 1919) aufgezwungenen Gebietsverluste (Feldsberg und Schwarzbach; 15 Gemeinden bei Gmünd) werden jahrhundertelange wirtschaftliche Bindungen zerschlagen. 1000 Eisenbahner der Werkstätte Gmünd optieren für Österreich, müssen nach St. Pölten aussiedeln und vergrößern dort die Bahnwerkstätte (notdürftige Unterbringung im Lager Spratzern). Hungerwinter 1919/20. Das private Beschaffen von Lebensmitteln („Schleichhandel") wird 1920 durch Verordnung untersagt. Die Umlauffrist von Notgeldscheinen endet am 31. Jänner 1920 (insgesamt 124 Notgeldausgaben in Niederösterreich).

1922
Die St. Pöltner Voith-Werke stellen die erste „Kaplan-Turbine" (Flügelradturbine mit verstellbaren Schaufeln) her. Gründung der NEWAG durch Zusammenschluss der Wiener Neustädter Anlagen und der Werke der Traisentaler Elektrizitätsgenossenschaft (TEGA) sowie der Landeshypothekenanstalt. Hohe Inflation (1 Schweizer Franken = 10.000 Kronen; ein Laib Brot kostet rund 5600 Kronen). Schwere Explosion in der Pulverfabrik Blumau mit 19 Toten und 250 Verletzten.

1923
20 Prozent der Lehrer und viele Beamte werden freigesetzt bzw. nach dem 35. Lebensjahr zwangspensioniert. Gründung des Verbandes der Milch- und Molkereigenossenschaften. Schweres Grubenunglück in Hart bei Gloggnitz mit 30 Toten.

1927
Arbeiterproteste in Wiener Neustadt. Beginn der Planungen zur Errichtung des Donaukraftwerkes Ybbs-Persenbeug.

1929/30
1929: Eröffnung des bäuerlichen Volksbildungsheimes in Hubertendorf bei Blindenmarkt. Die einsetzende Weltwirt-schaftskrise (Zusammenbruch der Creditanstalt trifft 1930 die Industriestandorte vor allem im südlichen Niederösterreich) führt zu Liquiditätsproblem in den Industrieorten, besonders in St. Pölten (Spitzenfabrik Viehofen, Papierfabrik Elbemühl, Glanzstoff) und Wiener Neustadt. Entdeckung von Erdölvorkommen in Zistersdorf.

1931-1937
1931: Anstieg der Arbeitslosen von 32.000 (1929) auf 90.000. 1933: Von den 478 Familien des Ortes Marienthal sind mehr als drei Viertel Arbeitslose bzw. gar „Ausgesteuerte". Die Februarkämpfe 1934 sind auch wirtschaftlich motiviert. Das Erdölfeld Zistersdorf deckt den Bedarf Österreichs an Erdölprodukten. Juni 1937 werden noch 36.618 Arbeitslose gezählt.

1938-1945
1938: Durch die deutsche Okkupation wird Niederösterreich zum Gau „Niederdonau" und der Wirtschafts- bzw. Rüstungspolitik des Reiches unterworfen: Der nach dem Gauleiter Dr. Hugo Jury benannte Plan sieht die Förderung von Großprojekten (Bau der Westautobahn, Industrieneugründungen, Belebung aufgelassener Industriestandorte) vor. Vermögensraub (Arisierung) mit ca. 40.000 Vorgängen im Gebiet von Niederdonau. Beginn der Entsiedelung der Dörfer auf dem Truppenübungsplatz Allensteig (ca. 7000 Betroffene). 1939: Ausbau der Wiener Neustädter Flugzeugwerke zu einem großen Rüstungsbetrieb. Flugplätze, Lager und Kasernen entstehen. Ab 28. August Ausgabe von Lebensmittelkarten (Beginn des Zweiten Weltkrieges erst am 1. September 1939!).

1940: In St. Valentin entsteht das „Nibelungenwerk" des Steyr-Daimler-Puch-Konzerns mit Schwerpunkt Panzerproduktion. 1941: Beginn der Abnahme von Kirchenglocken. Herbst 1943: Im Rahmen des „totalen Krieges" werden die verfügbaren Arbeitskräfte (Männer von 16 bis 75 Jahren, Frauen von 17 bis 45) Betrieben zur Arbeitsleistung zugewiesen. Rüstungsbetriebe werden unter die Erde verlegt (Melk, Seegrotte). Fremd- und Zwangsarbeiter müssen in landwirtschaftlichen und Industriebetrieben arbeiten. 1944: Beginn des „Ostwallbaues" unter Heranziehung von Zwangsarbeitern bzw. ungarischen Juden. Volkssturmverpflichtung für Männer von 16 bis 60 Jahren. 1945: Zusammenbruch des NS-Regimes. Die Besatzungsmacht führt unzählige Demontagen durch.

1946 - 1950
Hochkommissar Kurassow ordnet die Übergabe des „Deutschen Eigentums" an die Sowjets an: Die „USIA" (Verwaltung des sowjetischen Besitzes in Österreich) hat anfangs über 300 Industriebetriebe (darunter die gesamte Erdölindustrie), 140 landwirtschaftliche Betriebe und 53.000 Beschäftigte. Katastrophenwinter 1946/47 führt zu massiven Heizungs- und Er-nährungsproblemen: 60 % der Kinder sind unterernährt. 1948 wird die Donaubrücke von Tulln eröffnet. 1949: Spatenstich zum ersten Kamptalkraftwerk der NEWAG (Beginn des kontinuierlichen Ausbaus von Kraftwerken). 1950: Kommunisten dominieren Oktoberstreik gegen das Lohn- und Preisabkommen mit niederösterreichischem Schwerpunkt in Wr. Neustadt.

1955 -1960
1955: Für die Rückgabe der Erdöl- und Erdgasfelder sind 10 Mio. t Erdöl im Wert von 200 Mio. Dollar in die Sowjetunion zu liefern. Abzug der Besatzungsmächte. Die Eingliederung der ehemaligen USIA-Betriebe (noch 30.000 Arbeiter und Angestellte), in denen nichts investiert worden war, verursacht langfristig Probleme. 1956: Ungarische Flüchtlinge werden aufgenommen, viele bleiben im Land. 1958: Grundsteinlegung für die Großraffinerie der ÖMV in Schwechat. Beginn der Bauarbeiten am Atomreaktor Seibersdorf (1999 stillgelegt). 1960: Die Landwirtschaft bringt mit 36.000 Vollerwerbsbetrieben 21,6 % der Wertschöpfung (1981: nur mehr 7,9 %). Staubfreimachung der Landesstraßen sowie Ausbau der Schnellstraßen.

1962 - 1968
1962: Errichtung der NÖ Siedlungswasserbau GesmbH (NÖSIWAG). Erste Teilstücke der Westautobahn und der Schnellbahn werden eröffnet. 1965: Einstellung des Kohlenbergbaus in Grünbach. In der Land- und Forstwirtschaft wird die Krankenversicherung verpflichtend. Bereits 190.000 der unselbständig Erwerbstätigen (48,3 %) müssen pendeln. Der Landtag beschließt 1968 das „NÖ Raumordnungsgesetz", das u.a. Gewerbezonen festlegt. Die Abwanderung nimmt zu.

1973 - 1975
1973: Maul- und Klauenseuchenepidemie in Niederösterreich (in 11 Verwaltungsbezirken werden 72.247 Tiere geschlachtet). 1974: Infolge der internationalen „Ölkrise" gibt es ein halbes Jahr lang autofreie Tage (31.140 Sondergenehmigungen für Fahrten Wohnort - Arbeitsplatz). 1975: Das Sozialhilfegesetz ersetzt die Bezirksfürsorgeverbände durch einen Landesverband.

1981 - 1987
Aufgrund der Volkszählung 1981 ist Niederösterreich mit 1,403.337 Bürgern erstmals bevölkerungsstärkstes Bundesland. Nach Einspruch der Stadt Wien über Zählung von Zweitwohnsitzinhabern werden 11.288 Personen Wien zugerechnet. 1983: Die bis heute nicht gelösten Probleme mit Mülldeponien in der Mitterndorfer Senke werden bekannt. 1987 geht aus der IZ NÖ Süd GesmbH die „ECO plus" als Regionalisierungs- und BetriebsansiedlungsgesmbH des Landes hervor.

1989 - 1999
Der Fall des sogenannten „Eisernen Vorhanges" bringt einen Durchbruch der Donauraumpolitik, in der Niederösterreich seit längerem führend ist. Nach Beseitigung der „toten Grenze" nehmen die Handelsbeziehungen stark zu, trotz Firmenverlagerungen und anderer negativer Erscheinungen hat Niederösterreich ausgezeichnete Wirtschaftsdaten. 1992: Baubeginn des Regierungsviertels in St. Pölten (1996 eröffnet). 1995: Die „Donau-Universität Krems" entsteht als postgraduale Einrichtung.

2004
Im Jahr 2004 lag das Wirtschaftswachstum in Niederösterreich mit 2,6 % deutlich über dem Österreichdurchschnitt von 1,9 %. Niederösterreich ist damit Wachstumsmotor für die Ostregion. Zur Wachstumsdynamik haben auch der EU-Beitritt, die Öffnung Ost-Mitteleuropas und vor allem die EU-Erweiterung beigetragen. Niederösterreich ist mit der Erweiterung ins Zentrum eines neuen dynamischen Wirtschaftsraums zwischen den Städten Brünn und Bratislava gerückt. Diese Region zeichnet bereits heute ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum aus. Die mittel- und osteuropäischen Länder sind ein wichtiger Wirtschaftspartner für Niederösterreich.

2005
Mit der Gründung von 6.108 Unternehmen erlebt NÖ einen neuen Rekord.
Von dem Hochwasser Ende August sind vor allem das südliche Niederösterreich, der Raum St. Pölten und das Waldviertel betroffen.

2006
In der ersten Jahreshälfte kommt es zu einem Hochwasser an der March sowie zweimal an der Thaya.

Zeitraum