100.000 - 10.000 v. Chr.
Die ältesten Nachweise menschlicher Besiedelung in der Steiermark
stammen aus der Riss-Würm-Interglazialzeit und sind etwa 80.000
Jahre alt. Höhlen dienen als Jagdstationen im Zeitalter des Moustérien.
Zum wichtigsten Fundort im Ostalpenraum zählt die steirische Repolusthöhle.
Derselben Periode sind die Jagdgerätefunde der mit über 2.000
Meter Seehöhe höchstgelegenen eiszeitlichen Jagdstation der
Salzofenhöhle im Toten Gebirge zuzuordnen. Geräte aus Stein
und Knochen zeugen von der Jäger- und Sammlertätigkeit der
damaligen Bevölkerung. Weitere Fundstätten sind die Drachenhöhle
bei Mixnitz, die Badlhöhle bei Peggau und das Lieglloch bei Tauplitz.
10.000 - ca. 6.500 v. Chr.
Die Menschen der Mittelsteinzeit beginnen das Wild zu domestizieren,
leben bereits in größeren Siedlungen und erzeugen ausgefeiltere
Jagdgeräte für die Erlegung des Wildes. Gibt der Boden keine
zum Überleben ausreichenden Erträge mehr ab, ziehen die Menschen
weiter. Dies ist nur so lange möglich, als das Gebiet dünn
besiedelt ist. Zunehmende Besiedelungsdichte erzwingt die neue Ackerbaumethode
der Feld-Gras-Wirtschaft. Die Bevölkerung setzt den Schritt von
intensiver Sammlertätigkeit zur Ackerbaugesellschaft. Aus der Zeit
zwischen 8.200 und 6.800 stammen ein ritzverzierter Hirschhornspross,
ein großer Angelhaken sowie ein Fragment einer Harpune aus der
Zigeunerhöhle, einer Halbhöhle an der Mur bei Gratkorn.
6.500 - 1.700 v. Chr.
An der Wende vom 5. zum 4. Jahrtausend besiedeln bäuerliche Kolonisten
aus dem Osten die Flussläufe Mur, Lafnitz, Raab und Feistritz,
von wo aus sie in die Täler der Mittelsteiermark expandieren, deren
Täler sie durch Rodungstätigkeit nach und nach erschließen.
Von hier aus gelangen die Siedler über das Gebirge in die obersteirischen
Gebiete des oberen Murtales, des Mürz- und Ennstales, wo sie sich
in günstigen Lagen niederlassen. Die Bevölkerung lebt in bäuerlichen
Gemeinschaften und errichtet Häuser in Ständerbaukonstruktion
mit lehmverputzten Flechtwänden. Für die Lagerung der Ernte
und als Koch- und Essgeschirr stellen sie Tongefäße
her. Spinnwirtel und Webstuhlgewichte aus Ton beweisen die Verarbeitung
von Wolle und Flachs zu Stoffen. Funde aus dem Bezirk Feldbach und am
Wildonerberg zeugen von dieser Phase. In der Spätphase der Jungsteinzeit,
der sogenannten Glockenbecher-Kultur, weisen metallurgische Kenntnisse
und spezifische Bestattungsbräuche auf die Einwanderung westlicher
Bevölkerungsgruppen hin. Zeugen dieser Kultur sind die Funde bei
Gratwein. Handelsbeziehungen sind schon aus der Jungsteinzeit bekannt.
Man handelt vorwiegend mit Schmuckgegenständen, Waffen, Ton und
in der Folge mit Metall (Kupfer). Eine gesellschaftliche Differenzierung
teilt die Mitglieder der Stämme in eine bäuerliche und eine
führende (adelige) Schicht.
1.700 - 700 v. Chr.
In die spätere Bronzezeit fällt der Ausbau des Kupferbergbaues
im Enns- und Paltental. Dadurch beschäftigt sich ein immer größer
werdender Kreis mit Handel und Handwerk. Arbeitsteiligkeit und daraus
entstehende Abhängigkeit von Bevölkerungsteilen nehmen zu.
Befestigte Höhensiedlungen bieten der Bevölkerung Schutz und
entwickeln sich zu Verwaltungs-, Handels-, Handwerks- und Kultzentren.
Solche befinden sich am Ringkogel bei Hartberg, am Kulm, am Königsberg
bei Tieschen, in Riegersburg, am Wildonerberg, in Frauenberg bei Leibnitz
oder aber in Graz (Karmeliterplatz). Die bäuerliche Schicht wohnt
in den umliegenden Dörfern.
700 - 400 v. Chr.
In der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit) bildet sich eine Siedlungsmetropole
im steirischen Sulmtal. Die vier großen Fürstengräber
und mehrere tausend Grabhügel zeugen von einer großen Bevölkerungsansammlung.
Sie enthalten wertvolle Grabbeigaben, die weiträumige Handelsbeziehungen
nach Osteruopa und in den Mittelmeerraum erkennen lassen. Auf östlichen
Einflüssen beruht der an einem bedeutenden Straßenknotenpunkt
liegende Fund nahe Judenburg, der Strettweger Kultwagen. Bewaffnete
Krieger begleiten eine Opferungsszene an eine Göttin. Die prosperierende
Wirtschaft, die vor allem auf dem Bergbau, darunter auch dem Erzabbau,
der wohl schon am steirischen Erzberg seinen Anfang genommen hatte,
und der Verarbeitung seiner Produkte beruht, zieht allmählich keltische
Bevökerungsgruppen in die Steiermark.
400 - 15 v. Chr.
Die La-Tène-Zeit ist gekennzeichnet von der Keltisierung des
Landes, deren Hauptort Noreia in Kärnten liegt. Das von den Kelten
gegründete Königreich Noricum ist berühmt für die
Erzeugung des „ferrum Noricum". Eisenprodukte aus dem Königreich
bilden das Standbein der keltischen Wirtschaft, weshalb auch die Römer
ein immer größer werdendes Interesse an den nördlichen
Nachbarn zeigen.
15 v. Chr. - 180 n. Chr.
Noricum ergibt sich dem römischen Expansionsdruck. Die Römer
verbessern das Straßensystem, um das Militär rasch an die
Grenzen verlegen zu können und die Handelsbeziehungen zu verbessern.
70 n. Chr. verleiht Kaiser Vespasian Flavia Solva bei Leibnitz das Stadtrecht,
deren Bezirk einen großen Teil der Steiermark umfasst. Die
Bürger dieser Stadt leben bis zum Einfall der Markomannen in wirtschaftlichem
Wohlstand. Die vorrömische Bevölkerung übernimmt zwar
die römische Kultur, Verwaltung und Zivilisation, behält aber
eigene Traditionen in der Tracht wie auch auf religiösem Gebiet.
Die Ausgrabung einer Glaswerkstätte sowie von Bildhauerbetrieben
in Flavia Solva zeugen von der heimischen Glasproduktion und dem blühenden
Kunstgewerbe.
180 - 6. Jh.
Die Römer intensivieren den heimischen Bergbau und verbessern die
landwirtschaftliche Produktion, etwa im Weinbau. Nach der Reichsreform
Diokletians gehört die Steiermark größtenteils zu Binnennoricum.
Zu dieser Zeit findet das Christentum langsam Verbreitung. Flavia Solva
gelangt zu neuer wirtschaftlicher Blüte. Die Häuser werden
mit Bodenheizungen ausgestattet und mit Malereien und Mosaiken dekoriert.
Germanenzüge der Völkerwanderung zerstören die Stadt
um 400. Aufgrund der großen Unsicherheit verlassen die Provinzialrömer
das Gebiet. Die einheimische Bevölkerung wird in Rückzugsgebiete
gedrängt.