1848
Als weitreichendste Auswirkung der Revolution von 1848 gilt die Aufhebung
der Grundherrschaft und damit das Ende der bäuerlichen Untertänigkeit.
Die Ablösungszahlungen werden aber für viele kleine Bauern
zum Verhängnis. Die Brüder Kleinoscheg beginnen in Gösting
mit der Schaumweinerzeugung. Anton Pichler errichtet am Grazer Grieskai
eine Hutfabrik.
1849/1850
Mit der neuen Gerichtsverfassung übernimmt der Staat die gesamte
Gerichtsbarkeit. Die neue Strafprozessordnung tritt 1850 in Kraft.
Im selben Jahr werden per Gesetz die Handels- und Gewerbekammern gegründet.
1851 - 1854
Der Eisenbahnbau kurbelt sowohl die Kohle- als auch die Eisenindustrie
an. So errichtet Graf Hugo Henckel von Donnersmarck in Zeltwerk ein
Puddlings- und Walzwerk. In Gusswerk werden drei weitere Hochöfen
in Betrieb genommen. 1852 erwirbt Josef Körösi die Trummermühle,
die Keimzelle der Maschinenfabrik Andritz. Johann Weitzer gründet
1854 eine Huf- und Wagenschmiede, die er nach dem Ausbau der Eisenbahnlinien
auf Waggon- und Maschinenbau umstellt, aus der die Simmering-Graz-Pauker
AG hervorgeht. 1854 gelingt Karl Ritter von Ghega mit der Überwindung
des Semmerings der Bau der ersten Gebirgsbahn Europas. 1851 gründet
Franz Sales Englhofer in Graz ein Kaffeehandelsgeschäft und verlegt
sich ab 1909 auf die Bonbonerzeugung. Englhofer legt 1872 die Statuten
zur Gründung des christlichen Arbeitervereins für das Herzogtum
Steiermark vor. Die Brüder Reininghaus beginnen 1852 mit einer
Brauerei und Spiritusindustrie. Auf Veranlassung Erzherzog Johanns wird
1854 das Anna-Kinderspital in Graz errichtet.
1855 - 1860
Erzherzog Johann initiiert den Bau von Wohnhäusern und einem Spital
für die Arbeiter in Vordernberg. Im selben Jahr stiftet die steiermärkische
„Spar-Casse" das spätere Odilien-Blindeninstitut. 1857
wird eine neue Landarbeiter- und Dienstbotenordnung eingeführt.
1859 werden gewerbliche Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten
zur Errichtung einer Krankenversicherung verpflichtet. 1856 erscheint
zum ersten Mal die „Tagespost", herausgegeben von Josef Kullnig.
1860 wird die Graz-Köflacher-Bahn eröffnet, die neben dem
Personen- hauptsächlich zum Kohletransport dient. Max Kober eröffnet
im ehemaligen Stift Göß eine Brauerei. In Voitsberg wird
eine Glasfabrik errichtet.
1861 - 1867
1862 gründet Anna Zankl in Graz eine Farbenreiberei, aus der die
Lack- und Farbenwerke mit Zweigstellen in Wien, Triest und Alexandrien
hervorgehen. Die Phönix-Werke in Mürzzuschlag werden durch
den aus Solingen stammenden Heinrich Bleckmann ins Leben gerufen. Ein
Jahr später errichtet Heinrich Kielhauser in Graz eine Parfumerie-
und Toilettenseifenfabrik. In Turrach wird 1863 erstmals mit dem Bessemer-Verfahren
Stahl erzeugt. Das Grazer Südbahnwalzwerk nimmt seinen Betrieb
auf. 1867 wird der größte Dampfhammer Österreichs in
Neuberg gebaut. 1863 übernehmen die steirischen Stände das
von Joseph II. errichtete Krankenhaus in der Grazer Paulustorgasse.
1863 gründet der Grazer Turnverein die erste Freiwillige Feuerwehr
des Landes.
1868/1869
Nach dem Vereins- und Versammlungsgesetz von 1867 entstehen die ersten
steirischen Arbeitervereine. In der Puntigamer Bierhalle findet im März
die erste Arbeiterversammlung statt. Im August wird die Gründung
der Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invalidenkasse genehmigt. Die
vom bürgerlichen Arbeiterbildungsverein ausgeschlossenen Mitglieder
gründen den sozialdemokratischen Verein „Vorwärts".
Zwei Teilstrecken der Kronprinz-Rudolf-Bahn von Leoben nach Rottenmann
werden eröffnet und in Knittelfeld eine Eisenbahnwerkstatt errichtet.
1870 - 1873
1870 errichtet David Heinrich Pollak in der Grazer Plabutscherstraße
die größte Schuhfabrik Europas, die nach dem Ersten Weltkrieg
den Namen „Humanic" erhält. Das Kaufhaus Kastner &
Öhler wird 1873 eröffnet. Im selben Jahr wird der Psychiater
Richard Freiherr von Krafft-Ebing Direktor der neuen Irrenanstalt „Feldhof".
In der Gründerzeit gelingt einigen Unternehmern der Aufstieg vom
Gewerbetreibenden zum Großindustriellen. Großer Kapitaleinsatz,
der durch das blühende Bankenwesen garantiert ist, ermöglicht
diesen Aufschwung. Aktienspekulationen in ungeahntem Ausmaß bewirken
einen Boom an der Wiener Börse. Im Gegenzug steigen auch die Lebenserhaltungskosten,
die Löhne stagnieren allerdings, und die Wohnungsnot unter der
arbeitenden Bevölkerung ist groß. Der Hochkonjunktur wird
mit dem Börsenkrach von 1873 ein jähes Ende gesetzt. Die Folge
des „Schwarzen Freitags" sind Entlassungen, eine Herabsetzung
der Löhne und eine Stagnation der Investitionen.
1874 - 1900
Die zweite Gründerzeit nach der Überwindung der Wirtschaftskrise
ist durch den vermehrten Einsatz von Maschinen in der Produktion gekennzeichnet,
der großindustrielle Betriebe hervorbringt. Die steirische Papierindustrie
erlebt in dieser Periode einen Höhepunkt, nachdem sich die Zellulosetechnik
durchgesetzt hat. 1880 zählt man acht größere Unternehmen
mit elf Papierfabriken und einer Reihe von Holzschleifereien, unter
denen die Aktiengesellschaft Leykam-Josefsthal die größte
bildet. Der Ausbau des Bahnnetzes wird forciert. 1881 wird die Österreichisch-Alpine-Montangesellschaft,
ein Zusammenschluss der steirischen und Kärntner Eisenindustrie,
gegründet. 1890 nimmt der Schlosser Johann Puch in der Grazer Strauchergasse
die Produktion von Fahrrädern auf, konzentriert sich jedoch nach
der Jahrhundertwende auf die Automobilerzeugung. 1881 wird mit dem Magnesitabbau
in Veitsch begonnen. Das Unternehmen liefert um 1913 70 Prozent der Magnesitproduktion der Monarchie und 50 Prozent der gesamten
Weltproduktion. 1891 nimmt Franz Pichler in Weiz das erste Mehrphasen-Elektrizitätswerk
der Monarchie in Betrieb. 1899 wird die Grazer Pferdetramway durch eine
elektrische Straßenbahn ersetzt. Die obersteirischen Bezirke Leoben,
Bruck und Judenburg zählen zu den industrialisiertesten Gebieten
Österreichs. Zwischen 1850 und 1900 verdoppelt sich die Bevölkerung
der Steiermark. In den 80er Jahren kommt es zu einigen Arbeiterunruhen
in Graz, die mit Verhaftungen enden. In den Bezirksstädten Bruck,
Hartberg und Mürzzuschlag entstehen Krankenhäuser und Siechenanstalten.
Ab 1893 werden die ersten Vorschusskassen nach Raiffeisen errichtet.
1900 - 1920
Mit 1. Jänner 1900 erfolgt die Ablösung der Gulden- durch
die Kronenwährung. Viktor Franz errichtet 1905 in Graz-Gösting
ein Elektrizitätswerk. Die Brüder Renner entwickeln bei Graz
zwischen 1906 und 1909 das erste lenkbare Luftschiff der Monarchie.
1906 wird die erste Grazer Herbstmesse abgehalten. Viktor Kaplan reicht
1912 sein Patent für die Propellerturbine ein. 1912 wird das Grazer
Landeskrankenhaus im Pavillonstil als größtes Krankenhaus
Mitteleuropas fertiggestellt und 1913 am Exerzierplatz Thalerhof ein
Militärflugplatz errichtet. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges
entsteht bereits 1914 ein Flüchtlingslager in Wagna bei Leibnitz,
weitere bei Feldbach und Knittelfeld folgen. Missernten von 1916
und 1917 verschärfen die Lebensmittelknappheit. Lebensmittelkarten
werden verteilt. 1918 greifen Arbeiterstreiks auf die Steiermark über.
Durch die Radikalisierung des politischen Klimas kommt es 1919 zu zahlreichen
Massenaufmärschen mit Zusammenstößen. 1920 demonstrieren
in Graz Hausfrauen gegen die hohen Obst- und Gemüsepreise. Dieser
„Kirschenrummel" endet mit 12 Toten und zahlreichen Verletzten.
Die Abtrennung der Untersteiermark 1920 führt zum Verlust traditioneller
Absatzmärkte und bewirkt einen Rückgang der Industrieproduktion.
1921 - 1938
Die gespannte finanzielle Lage führt zum Verkauf zahlreicher Betriebe
an ausländische Unternehmen. Abhilfe bringt die Genfer Völkerbundanleihe,
mit der auch die steirische Wirtschaft belebt werden soll. In der Landwirtschaft
erzielt man bis 1937 durch Produktivitätssteigerungen mittels Einsatz
von Kunstdünger eine nahezu autarke Versorgung der Steiermark.
1919 wird die Kammer für Land- und Forstwirtschaft ins Leben gerufen.
Gleichzeitig kommt es zu einer Verschuldung der Bauernhöfe. Die
Preise für landwirtschaftliche Produkte fallen, Abwanderung und
Bauernsterben sind die Folge. Der Fremdenverkehr wird intensiv gefördert.
Vor allem setzt man auf deutsche Touristen, die allerdings mit der 1000-Mark-Sperre
1933 ausbleiben. Der Ausbau der Wasserkraft wird zunehmend gefördert.
In der Schwerindustrie hat man Probleme, neue Absatzmärkte zu finden.
Die Folge ist steigende Arbeitslosigkeit. Mit der Weltwirtschaftskrise
von 1929 spitzt sich die wirtschaftliche Lage zu. Dem Land Steiermark
droht der Bankrott. Die Süddeutsche Bank und das Wechselgeschäft
Weiss brechen zusammen. Produktionsrückgänge, steigende Arbeitslosigkeit
und Lohneinbußen sind die Folge. Die soziale Schere klafft immer
mehr auseinander und schafft den Boden für radikale politische
Ideen.
1938 - 1945
Gewerbe und Industrie sind ab 1939 in der Wirtschaftskammer Südmark,
ab 1943 in der Gauwirtschaftskammer Steiermark vertreten. Die steirische
Industrie wird in die deutsche Rüstungsindustrie einbezogen. Insgesamt
werden 82 Firmen zu Rüstungsbetrieben erklärt und über
200 Betriebe zu Wehrmachtslieferanten. Die Landwirtschaft wird dem Reichsnährstand
zugeordnet. Um die Strukturprobleme zu lösen, werden Höfe
ab einer bestimmten Größe zu Erbhöfen erklärt und
eine Ent- und Umschuldungsaktion durchgeführt. Die durch Kriegseinsatz
fehlenden Arbeitskräfte ersetzt man teilweise durch Fremd- und
Zwangsarbeiter, vor allem durch sog. Ostarbeiter. Trotz der Förderungsmaßnahmen
kommt es wegen Arbeitskräftemangels und direkter Kriegseinwirkung
zu drastischen Ernterückgängen.
1945 - 1955
Mit Hilfe des Marshall-Planes wird aus ERP-Mitteln auch die heimische
Industrie gefördert. Nach dem Verstaatlichungsgesetz von 1946 wird
die steirische Stahl- und Kohlenindustrie, darunter die Schoeller-Bleckmann-Werke,
die Alpine, die Böhlerwerke, Elin und Simmering-Graz-Pauker, verstaatlicht.
1953 stellt man in Donawitz erstmals Stahl nach dem neuen LD-Verfahren
her. Die landwirtschaftlichen Betriebe können kaum ein Viertel
des Jahresbedarfs decken, wodurch der Schwarzhandel blüht. Die
Landwirtschaft muss sich in den folgenden Jahren an die marktwirtschaftliche
Situation anpassen. Die Mechanisierung der Bauernhöfe, welche Knechte
und Mägde ersetzt, beginnt. Die Spezialisierung in der Landwirtschaft
verursacht die Entstehung von Monokulturen: zunächst vermehrter
Kartoffelanbau, schließlich die Hinwendung zum Maisanbau mittels
intensivem Kunstdüngereinsatz. Die niedrigen Preise tragen zur
weiteren Landflucht bei. Die Bauwirtschaft erlebt einen Aufschwung.
1956 - 1970
Die Grenzgebiete in der West- und Oststeiermark verzeichnen durch das
starke wirtschaftliche Gefälle eine beträchtliche Bevölkerungsabwanderung,
die man durch gezielte Förderungsmaßnahmen abzufangen versucht.
Streikwellen der 50er Jahre erreichen die Einführung der 45-Stunden-Woche
im Jahre 1959. Die steirische Schwerindustrie hat mit großen Absatzproblemen
zu kämpfen.
1971 - 1989
Die Zeit der Hochkonjunktur und des Rückganges der Arbeitslosigkeit
ab 1968 geht mit Firmenpleiten wie jener der EUMIG in Fürstenfeld,
der Juniorwerke in Köflach oder der Papierfabrik Arland zu Ende.
Auch die Stahlindustrie erlebt eine schwere Krise. Der Kohlenbergbau
in Fohnsdorf wird 1978 stillgelegt und 1981 das Gußstahlwerk in
Judenburg geschlossen. Die obersteirische Industrieregion erfährt
eine grundlegende Umstrukturierung zu neuen Technologien. Der Tourismus
erlebt in der Steiermark einen deutlichen Aufschwung, vor allem durch
den Ausbau der Ski- und Thermenregionen. Große Handelsketten verursachen
das Greißlersterben. 1989 wird das Shopping-Center-West in Graz-Webling
eröffnet. Landwirte beginnen Bioprodukte ab Hof zu verkaufen.
1990 - 2000
Die steirische Wirtschaft erlebt durch einen grundlegenden Strukturwandel
von der Grundstoffproduktion zur Technologie- und Dienstleistungswirtschaft
Mitte der 90er Jahre einen Take Off. Der steirische Autocluster, der
1996 entsteht, umfasst 1999 etwa 170 Betriebe, darunter die führenden
Firmen AVL-List, Chrysler-Eurostar sowie Steyr (-Daimler-Puch) Fahrzeugtechnik
mit dem Magnakonzern des Frank Stronach als neuem Eigentümer. Einen
großen Aufschwung erlebt die Telekommunikationsindustrie mit Betrieben
wie AMS in Unterpremstätten oder AT&S. Der Tourismus erfährt
in den 90er Jahren einen weiteren Zuwachs. Die Folge ist ein hohes Beschäftigungsniveau
mit einem hohen Frauenanteil. Die Gesellschaft durchläuft einen
Wandel von der einstigen Großfamilie hin zu Lebensgemeinschaften,
die zunehmend kinderlos bleiben.
2001-2005
Im Vorfeld zur EU-Osterweiterung sollen die steirischen Klein- und Mittelbetriebe
nicht nur mit inländischen sondern auch mit Partnern aus der Zukunftsregion
Süd-Ost vernetzt werden.
Mit einem Wirtschaftswachstum von 3,8% erreichte die Steiermark 2004
das höchste Wachstum aller österreichischen Bundesländer,
besonders der schnell wachsende Ballungsraum Graz ist hierfür verantwortlich.
Red-Bull-Chef Dieter Mateschitz will im Dezember 2002 den A1-Ring in
Spielberg übernehmen und in ein gigantisches Motorsportzentrum
verwandeln. Im Mai 2004 beginnen die Umbauarbeiten. Der Ring wird abgerissen,
im Dezember erteilt der Umweltsenat in Wien dem Projekt jedoch eine
Absage und im Jänner 2005 steigt Mateschitz aus dem Vorhaben aus.
Im Juni erklärt Landeshauptfrau Waltraud Klasnic überraschend,
dass es doch ein Projekt in Spielberg geben wird. Mateschitz ist
bereit den A1-Ring als Prüf- und Teststrecke wieder aufzubauen. Der Siemens-Konzern übernimmt den österreichischen Anlagenbauer VA Tech. Bei einer Explosion im Stahlwerk von Böhler-Udeholm in Kapfenberg kommen vier Mitarbeiter ums Leben.
2006
Die Andritz AG übernimmt gleich zu Beginn des Jahres die VA Tech Hydro von Siemens um kolportierte 180 Millionen Euro;
Im Februar versinkt die Steiermark im Schnee. Der starke Winter verursacht 27 Millionen Euro Mehrkosten, der Tourismus verzeichnet allerdings durch die ausgezeichnete Schneelage eine Rekordsaison;
Die Malaise der Grazer Großklubs trifft auch den steirischen Steuerzahler. Das Land Steiermark haftet für die beiden Vereine mit je 1,2 Millionen Euro; GAK und Sturm erhalten dadurch die Lizenz für die Saison 2006/07.